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Das Tahiti-Projekt - ein Modellversuch mit Weitblick

Buch: "Das Tahiti-Projekt"Mit dem Buch "Das Tahiti-Projekt" wagt Dirk C. Fleck einen Blick in die Zukunft. Die sozialen Gegensätze werden immer größer, der Kampf um die letzten Ressourcen immer skrupelloser, aber ein Projekt am anderen Ende der Welt macht der Menschheit Hoffnung. Lobbyisten und Konzernen jagt das revolutionäre Gesellschaftsmodell inklusive neuer Geld- und Bodenordnung dagegen Angst ein.

Die Welt im Jahr 2022: In Deutschland sind die Arbeitslosen in Ghettos am Stadtrand verbannt. In die Innenstädte darf nur noch, wer dort arbeitet oder mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hat. In den USA kämpfen zehntausende Umweltaktivisten mit Waffengewalt gegen die von der Nationalgarde geschützte Abholzung der letzten Redwood-Wälder. Im Senegal krepieren Hunderttausende in staatlichen Flüchtlingscamps.

Über solche Brennpunkte berichtet der Hamburger Spitzenjournalist Cording für das weltweit führende Nachrichtenmagazin EMERGENCY. Cording ist ausgebrannt und bekommt von seinem Chefredakteur einen Auftrag mit Erholungsfaktor und einer klaren Ansage. In den nächsten drei Monaten soll er das neue Gesellschaftsmodell auf Tahiti untersuchen, das unter anderem mit EU-Geldern finanziert wird, die nun auf der Kippe stehen. Der EMERGENCY Deutschland-Chef erwartet eine kritische Auseinandersetzung mit "dieser Politiksekte, die sich in der Südsee mit unseren Geldern durchs Leben schmarotzt".

Der Auftakt mit dem Lynchmord an der Familie eines kritischen Wissenschaftlers, der ein dunkles Geheimnis aus einem US-Labor kennt, und die Schilderung der Zustände in der westlichen Welt lesen sich wie ein feiner Krimi und es fällt schwer, das Buch zur Seite zu legen. Man merkt es dem neuen Buch von Dirk C. Fleck an, dass er mit "Go! Die Öko-Diktatur" zuvor einen ziemlich düsteren Öko-Thriller geschrieben hat, der mit dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnet worden ist.

 Lesung und Interviews mit Autor Dirk Fleck, Schauspieler Rolf Becker und Initiator Eric Bihl
 Lesung und Interviews mit Autor Dirk Fleck, Schauspieler Rolf Becker und Initiator Eric Bihl  Lesung und Interviews mit Autor Dirk Fleck, Schauspieler Rolf Becker und Initiator Eric Bihl

Lesung und Interviews mit Autor Dirk Fleck, Schauspieler Rolf Becker und Initiator Eric Bihl


Der Wechsel aus dem kurz vor einem Bürgerkrieg stehenden Europa ins hoffnungsvolle Südseeparadies Tahiti fällt dem eher pessimistischen Autor spürbar schwer. Fleck hat wie der abgestumpfte und desillusionierte Cording zunächst Mühe, die Schönheit der Insel und die positiven Empfindungen der Menschen zu beschreiben, die am revolutionären Tahiti-Projekt beteiligt sind oder miterleben, wie mit interessanten sozioökologischen Ansätzen und modernen technischen Lösungen von Hanfbeton bis Windwandler ein nachhaltiges Gesellschaftsmodell entsteht. Wie es sich für einen Bestseller mit Hollywood-Ambitionen gehört, darf auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen, die mit dazu beiträgt, dass Cording (und Fleck) Hektik¸ Stress und Resignation hinter sich lassen und sich öffnen für sinnliches Erleben und menschliches Miteinander.

Die vermeintliche sprachliche Schwächephase im Mittelteil unterstreicht jedoch die faszinierende Wandlung des Autors und seines Romanhelden. Während man zu Beginn des Tahiti-Besuchs Cordings den Eindruck hat, dass dem Autor die Worte nur langsam aus der Feder geflossen sind, wird er im Laufe der Geschichte zum Überzeugungstäter. Das hat auch Eric Bihl vom Equilibrimus e. V. beobachtet, der gemeinsam mit Volker Freystedt bei regelmäßigen Treffen mit Fleck die Entstehung des Buches begleitet und diskutiert hat. Fleck ist anscheinend nicht nur im Buch, sondern auch in der Realität von einem überzeugten Pessimisten zu einem, sagen wir: für Optimismus empfänglichen und hoffnungsvollen Buchautor geworden, und mit ihm weite Teile der (Roman-)Weltbevölkerung.

Besonders deutlich wird die Wandlung zum Schluss. Da verbindet Fleck die dynamische weltweite Bewegung, die von Tahiti ausgeht, mit rasanten, düsteren Elementen, die die Ausbreitung des Projekts gefährden. Der Autor ist ganz offensichtlich wieder in seinem Element, versteht es nun aber auch sehr gut, die lichten mit den dunklen Momenten zu verbinden und für beides die passenden Worte zu finden, so dass man dann doch lieber noch ein halbes Stündchen länger liest als eigentlich geplant.

Dabei geschieht genau das, was sich der Autor und seine Unterstützer vom Verein Equilibrismus gewünscht haben (siehe auch FAIRCONOMY 3/2006): Es werden durch die vielen praktischen Beispiele für ein grundlegend und umfassend anderes Gesellschaftssystem Denkblockaden gelöst, die beim Befassen mit Teilreformen des aktuellen Systems auftreten. Durch den Blick aus der Vogelperspektive auf das Gesamtbild zeigen sich Möglichkeiten, die am Boden, bei der Betrachtung von zweifellos strittigen Einzelheiten, allzu schnell aus dem Blickfeld geraten.

Das Hamburger Abendblatt bietet weitere interessante Informationen zu Buch und Autor, ebenso die Internetseite zum Tahiti-Projekt unter http://www.tahiti-project.org.

 



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